Dark Warrior
Unser Vermächtnis
Dark Warrior
Unser Vermächtnis
Andrew
Eine große, glückliche Familie.
Andrew saß am Tresen, stopfte sich mit Waffeln mit Erdbeeren voll und hörte Syssi und Nathalie zu, die sich über Gott und die Welt unterhielten. Er achtete nicht auf das, was sie im Einzelnen sagten, sondern genoss nur das beruhigende Geräusch ihrer leisen Stimmen und ihr leises Lachen.
Neben ihm hatte Kian wie üblich mit mürrischer Miene die Nase in der Zeitung vergraben, kommentierte von Zeit zu Zeit grummelnd die Entwicklungen auf dem Aktienmarkt und schüttelte die Zeitung neu aus.
Es war schlicht großartig.
Seine Familie. Seine Verlobte, seine Schwester und deren Ehemann und ein ganzer Clan Unsterblicher, der ihn bei sich aufgenommen hatte.
Man konnte sich sein halbes Leben lang ausmalen, wie die eigene Zukunft aussehen mochte, verschiedenste Ideen entwickeln und doch daneben liegen. Das Leben konnte in eine vollkommen andere Richtung abdriften. In eine, die einen glücklicher machte, als man sich je hätte vorstellen können. Und doch gab es auch eine Schattenseite. Das Schicksal war nicht so zu jedem so gut. Er hatte großes Glück gehabt.
„Andrew.“ Nathalie stupste ihn an.
„Ja?“
„Wollen wir einkaufen gehen? William beschäftigt meinen Dad. Wir haben ein paar Stunden für uns.“
„Klar.“ Nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung, aber ihm war alles recht, solange er mit Nathalie zusammen sein konnte. Abgesehen davon brauchte er dringend neue Kleidung, die vernünftig saß.
Syssi schüttelte den Kopf. „Ich glaube, das ist keine gute Idee. Bridget hat gesagt, du sollst noch mindestens achtundvierzig Stunden hierbleiben.“
„Nein, sie hat gesagt, dass sie mich in den nächsten achtundvierzig Stunden im Auge behalten will. Aber sie hat nichts davon gesagt, mich jede Sekunde zu überwachen, oder?“
„Stimmt wohl. Rufen wir sie doch einfach an und fragen nach.“
„Nein!“, riefen Nathalie und er gleichzeitig. Kian lachte hinter seiner Zeitung in sich hinein.
Syssi verschränkte die Arme vor der Brust. Das war nie ein gutes Zeichen. „Was, wenn du irgendwo zusammenbrichst? Nathalie kann dich nicht auffangen. Bevor ihr euch verseht, wählt jemand den Notruf und ein Krankenwagen taucht auf.“
Verdrehte Welt. Normalerweise war Andrew immer der Schwarzseher, der ältere, überfürsorgliche Bruder. Er hatte früher nie verstanden, warum Syssi so sauer gewesen war, wenn er sich in ihr Leben eingemischt hatte. Er wollte sie schließlich nur in die richtige Richtung lenken. Nun, da die Rollen verkehrt waren, wurde ihm bewusst, wie nervig das gewesen sein musste. Er kaschierte seine Belustigung, indem er einen Schluck Kaffee trank, und überließ Nathalie die Diskussion.
„Mein Vater kann ja mitkommen. Ich meine Bhathian, nicht Papi. Er ist nun wirklich stark genug, um Andrew im Notfall zu tragen“, sagte Nathalie mit unüberhörbarem Stolz. Es war ihr anfangs nicht leichtgefallen, Bhathian als Vater zu bezeichnen.
Mit dreißig herauszufinden, dass der Mann, der sie großgezogen hatte, nicht ihr leiblicher Vater war, war hart für sie gewesen. Sie liebte Fernando von ganzem Herzen und er erwiderte ihre Gefühle. Selbst seine Demenz konnte das nicht ändern.
Sowohl Nathalie als auch Andrew fragten sich, ob Fernando bewusst war, dass sie nicht sein leibliches Kind war. Schließlich hatte ihre Mutter ihn in den ersten Wochen ihrer Schwangerschaft geheiratet. Vielleicht hatte sie ihm etwas vorgemacht. Das würden sie erst erfahren, wenn sie die schwer aufspürbare, geheimnisvolle Eva fanden. Dummerweise wollte sie gar nicht gefunden werden und war sehr gut darin, praktisch spurlos zu verschwinden. Zweimal war es ihr bereits gelungen.
Kian faltete die Zeitung zu einem ordentlichen Rechteck zusammen. „Bhathian hat heute Morgen Unterricht. Aber wenn ihr euch beeilt, kann ich euch Anandur für eine Stunde ausleihen.“
Andrew warf Kian einen dankbaren Blick zu. „Das wäre super, danke.“
Kian nickte. „Ich schicke ihn zu euch.“ Er stand auf und legte Syssi die Hand auf die Schulter. „Bereit?“
„Ja. Ich muss zur Arbeit.“ Sie küsste Andrew auf die Wange. „Sei brav und übernimm dich nicht. Ich bin unglaublich erleichtert, dass du die Verwandlung hinter dir hast. Aber nach all dem Stress kann ich nicht anders, als mir Sorgen um dich zu machen.“
Andrew nahm Syssi in die Arme. „Es geht mir gut. Besser als gut sogar. Ich bin umwerfend, unzerstörbar und sehe besser aus als der Teufel persönlich. Kein Grund zur Sorge.“
Syssi versetzte ihm kichernd einen Stoß gegen die Schulter. „Vorsicht, Andrew. So besitzergreifend, wie Nathalie guckt, legt sie dich an die ganz kurze Leine.“
Ein Seitenblick zu seiner Verlobten bestätigte, dass die Eifersucht sie gepackt hatte. „Ich habe nichts gegen eine Leine, solange du sie in der Hand hältst, Baby.“
Das brachte ihm ein Lächeln ein.
Eine Viertelstunde später saßen sie in Nathalies Auto. Anandur beschwerte sich über den engen Rücksitz. „Wir hätten meinen Wagen nehmen sollen.“
Andrew drehte sich zu ihm um. „Als hätten wir im Thunderbird mehr Beinfreiheit als in dieser alten Karre.“
Nathalie brauchte ein neues Auto. Er würde sich so bald wie möglich darum kümmern. Er war kein Snob und legte keinen Wert darauf, dass seine Freundin in einem schicken Auto unterwegs war. Es ging ihm einzig um ihre Sicherheit. Seine Nathalie war nach wie vor eine zerbrechliche Sterbliche und dieses alte Modell verfügte nicht über die Sicherheitsvorrichtungen, die in neueren Autos Standard waren. Damit war es nicht sicher genug für seinen Schatz.
Er sah sie von der Seite an. „Du brauchst ein neues Auto. Sobald wir zu Hause sind, besorgen wir dir was Anständiges. Die alte Klapperkiste ist lebensgefährlich.“
Nathalie schüttelte den Kopf. „Sei nicht albern. Sie ist vielleicht alt, hat aber kaum Kilometer runter. Sie bringt mich problemlos von A nach B.“
„Das stimmt zwar, aber was ist mit der neuesten Sicherheitstechnik? Hat der Wagen überall Airbags?“
„Nein, aber die hat Anandurs Thunderbird auch nicht. Das ist doch ein Oldtimer, oder?“
„Na klar“, warf Anandur ein.
„Stimmt, aber er ist unsterblich. Du nicht. Noch nicht. Und bis du es bist, werde ich dich jedes Mal in Watte packen, wenn du das Haus verlässt.“
Verdammt, der Gedanke, dass ihr etwas passieren könnte, jagte ihm Angst ein. Sie könnte einen Unfall haben oder krank werden oder …
Andrews Magen verkrampfte sich. Was, wenn sie bereits krank war? Was, wenn ihr neuer Geruch mit einer Krankheit zu tun hatte? Die Unsterblichen konnten so etwas nicht zuordnen, da sie gegen die Krankheiten der Menschen immun waren. Er bezweifelte, dass sie sich darum scherten, sich mit den unterschiedlichen Gerüchen der Sterblichen vertraut zu machen.
Andrew musste sich immer noch an die vielfältigen Empfindungen gewöhnen, die ständig auf ihn eindrangen. All die Gerüche und Geräusche, die Schärfe seiner Augen, waren so überwältigend, dass er davon Kopfschmerzen bekam. Die anderen Unsterblichen mussten gelernt haben, sich von all den Eindrücken abzuschirmen.
Nathalie verdrehte die Augen. „Ist die Verwandlung dir irgendwie aufs Gehirn geschlagen und hat dich in eine Glucke verwandelt?“
„Ich kann es nicht erwarten, dich zu verwandeln.“ Andrew rieb sich den Nacken. „Ich weiß nicht, wieso. Aber ich habe das Gefühl, dass du in Gefahr bist, solange du noch menschlich bist.“
Nathalies Miene wurde sanfter und sie nahm eine Hand vom Lenkrad, um nach Andrews zu greifen. „Ich weiß, wie es dir geht. Ich bin während deiner Verwandlung fast durchgedreht und habe ständig gebetet, dass du es schaffst.“
Anandur räusperte sich. „Falls ihr zwei rummachen wollt, setzt mich einfach irgendwo ab.“
Andrew ignorierte die Bemerkung von den billigen Plätzen. „Ich weiß, dass meine Angst irrational ist. Aber ich habe ständig das Gefühl, dass ich in letzter Zeit verdammt viel Glück hatte und dass das nicht ewig gutgehen kann. Ich habe Einsätze überlebt, bei denen die meisten meiner Freunde ums Leben gekommen sind. Jedes Mal habe ich mich gefragt, warum. Warum sie? Warum nicht ich? Versteh mich nicht falsch: Ich wollte nicht sterben. Ich bin dankbar, dass ich verschont wurde. Ich frage mich nur immer, wieso. Ich bin nicht besser als sie. Ich habe es nicht mehr oder weniger verdient als sie, am Leben zu bleiben.“
Nathalie führte seine Hand an ihre Lippen und küsste sie. „Gott hat dich für mich gerettet, damit du eines Tages in meinem Café auftauchen und dich in mich verlieben kannst.“
Vom Rücksitz ertönte ein Schniefen. „Das ist ja so romantisch. Mir kommen die Tränen.“
Andrew lächelte. „Du bist ein Engel. Aber wenn Gott dich für dein gutes Herz und deine Opfer belohnen wollte, hätte er dir einen würdigeren Mann geschickt. Ich habe garantiert nichts getan, um eine Frau wie dich zu verdienen.“
„Oh, hört schon auf, ihr zwei. Sonst haben wir hier gleich einen Schwanzvergleich laufen, wer wen weniger verdient hat und wer wen mehr liebt.“
Anandur hatte recht. Sie bewegten sich allmählich auf Grußkartenniveau.
Andrew atmete tief durch und legte Nathalies Hand zurück auf das Lenkrad. „Sicherheit geht vor, Schatz. Beide Hände ans Lenkrad.“
„Ja, Sir!“ Sie zwinkerte.
„Anandur, ich möchte dich gern etwas fragen.“ Andrew drehte sich zu dem Wächter um.
„Was denn?“
„Können Unsterbliche sich tätowieren lassen?“
Anandur schüttelte den Kopf. „Tätowieren schon, aber die Dinger halten nicht. Unsere Körper sehen sie als Wunde an und heilen sie. Du kannst dir natürlich jederzeit ein Henna-Tattoo machen lassen. Aber ich persönlich finde, die stehen Frauen besser, und sie halten genauso wenig.“
Henna würde Andrews Problem nicht lösen. „Ich verzichte.“
„Dachte ich mir.“
Nathalie
„Wie es aussieht, haben wir die Wohnung für uns“, bemerkte Andrew, als er das Post-it von Syssis und Kians Haustür entfernte.
„Was steht denn da?“, fragte Nathalie.
„Die Nachricht ist von Okidu. Er ist einkaufen und wir sollen einfach reingehen. Die Tür ist nicht abgeschlossen.“
Er reichte ihr den Zettel, öffnete die Tür und bedeutete ihr vorzugehen, obwohl die vielen Tüten in seinen Händen eine Tonne wiegen mussten.
Ihr Andrew war eben stets ein Gentleman.
Sie wartete, bis er eingetreten war, dann schloss sie die Tür hinter ihm. „Schaffen wir das Zeug ins Schlafzimmer. Ich schlage vor, wir stellen die Tüten einfach in den Schrank. Es ist doch sinnlos, alles auszupacken, nur es morgen wieder einzupacken.“
„Gute Idee. Aber zieh dir das neue Kleid an und leg dieses Angel-Parfüm auf. Ich liebe den Duft.“
Nathalies Wangen wurden heiß. Wollte er ihr damit etwas sagen? Sollte sie duschen? Vermutlich. Sie hatte ein bisschen geschwitzt. Um mit Andrew und Anandur Schritt zu halten, war sie eher durchs Einkaufszentrum geflitzt als langsam zu schlendern, wie sie es getan hätte, wenn sie allein unterwegs gewesen wäre.
Mit zwei ungeduldigen Männern einkaufen zu gehen, war kein Vergnügen gewesen. Andrew hatte seine neuen Sachen nicht einmal anprobiert. Die Verkäuferin hatte einfach seine Maße genommen und ihm dann alles in der richtigen Größe gebracht. Das war’s. Wenigstens die Schuhe hatte er vorher anprobiert. Allerdings nur, weil Nathalie gedroht hatte, den Laden nicht zu verlassen, bevor sie sicher war, dass sie ihm passten.
„Ich gehe schnell duschen. Ich will das neue Kleid nicht anziehen, solange ich verschwitzt bin.“
Andrew verstaute die Tüten im begehbaren Kleiderschrank. „Aber du hast doch erst heute Morgen geduscht“, sagte er, als er wieder zum Vorschein kam.
„Ich weiß. Aber euch beiden hinterherzuhecheln war das reinste Work-out. Ich bin ganz klebrig und will nicht, dass das neue Kleid gleich stinkt.“
„Du kannst doch gar nicht stinken.“ Er nahm sie in die Arme und hob sie mit Leichtigkeit hoch, um sie zu küssen. „Du riechst immer sexy. Genau genommen würde ich gern eine Nase voll nehmen.“ Er trug sie zum Bett und setzte sich mit ihr auf seinem Schoß hin.
War das sein Ernst? Es gab nur eine Möglichkeit, es herauszufinden.
Nathalie entspannte sich in Andrews Armen und kuschelte sich an ihn. „Was genau hast du dir vorgestellt?“
Er lachte leise. „Du weißt genau, was ich will.“
Sie hatte eine Ahnung, aber sie wollte es hören. „Weiß ich nicht. Sag es mir.“
Bevor sie auch nur blinzeln konnte, zog er ihr lüstern lächelnd das T-Shirt über den Kopf und öffnete ihren BH. „Wie wäre es, wenn ich es dir zeige?“ Er machte sich an ihrem Reißverschluss zu schaffen.
Offensichtlich war ihm jedes Wort ernst. Andrews Stimme war rau vor Verlangen und sie wusste, dass er ihr nichts vorspielte. Er war stolz darauf, im Notfall ein guter Lügner zu sein, aber er konnte ihr nichts vormachen. Nathalie war so mit ihm im Einklang, kannte ihn so gut, dass er nichts vor ihr geheim halten konnte.
„Das ist ekelig. Lass mich erst mal duschen.“
„Nein.“ Er hob sie leicht an und zog ihr mit einer Hand Hose und Slip aus. Neuerdings war er so stark, dass er sie mit einer Hand anheben konnte, als wäre sie ein Kind und keine gesunde, nicht unbedingt dünne Frau. Doch nur, weil er stark war, durfte er sie noch lange nicht herumkommandieren.
„Nein?“ Sie zog eine Braue hoch.
„Du bist sauber, Baby. Du riechst fantastisch. Wenn du duschst, wird dein natürlicher Körpergeruch von künstlicheren Aromen ersetzt. Ich würde aber lieber dich riechen.“
„Bist du sicher? Stört dich der Seifengeruch so sehr?“
Er schüttelte den Kopf. „Nur wenn er alles andere überlagert.“
„Na gut. Dann dusche ich mich nur schnell ab, keine Seife. Aber das ist mein letztes Angebot.“
Andrew zwickte ihr in den Po. „Stures Weib. Wie du willst. Ich komme mit.“
Damit konnte sie leben.
Andrew hob sie hoch und trug sie in die Dusche. Die Kabine war groß genug, um einen Kleinwagen darin unterzubringen.
„Kalt!“, beschwerte sie sich, als er sie auf die geschwungene Duschbank setzte.
„Gleich wird es warm.“
Während Andrew die richtige Temperatur einstellte, fasste Nathalie ihr langes Haar zu einem festen Knoten zusammen und wickelte die Ecken fest außen herum, damit er hielt. Als sich die Dusche mit Dampf füllte, zog Andrew sich aus und kam hinein.
Sein Anblick nahm Nathalie den Atem. Fast eins neunzig groß und all die wunderschön ausgebildeten, schlanken Muskeln.
Vielleicht lag es am Dampf. Nein, an ihrem Mann. Hitze stieg in ihr auf und zwischen ihren Beinen bildete sich Feuchtigkeit. Weder das eine noch das andere hatte etwas mit dem Wasserstrahl zu tun.
Andrews Nasenflügel bebten. „Oh Schatz, mach deine wunderbaren Beine breit, damit ich mich dazwischen austoben kann.“
Nathalies Knie öffneten sich wie von selbst. Prompt bekam Andrew eine Erektion. Er setzte sich neben sie auf die Bank und sie umfasste seine Länge, um ihn behutsam zu reiben. War er größer als früher? Sie bezweifelte es. Tatsächlich hoffte sie, dass sich an diesem Teil seiner Anatomie nichts verändert hatte. Sie hatten zuvor perfekt zueinander gepasst und dabei war es nach seiner Verwandlung geblieben.
Andrew ließ einen Finger zwischen ihre Schamlippen gleiten. „So feucht“, seufzte er.
Das Gefühl war berauschend. Ihr Becken zuckte. „Schieb ihn mir rein“, flüsterte sie.
Er gehorchte und ihr entfuhr ein lautes Stöhnen. Doch ausnahmsweise bestand kein Grund, leise zu sein. Nathalie war begeistert von der Freiheit, so laut zu sein, wie sie wollte, und alles zu sagen, was ihr in den Sinn kam. Es war niemand in der Nähe.
„Lieb mich, Andrew. Ich will dich in mir spüren.“
Er grinste. „Das werde ich. Aber zuerst will ich deine süße Pussy schmecken. Mach die Beine für mich breit, Baby.“
Oh, das war so verdorben.
Andrew schob sich zwischen ihre Oberschenkel und legte sie sich über die Schultern, um sie weiter zu öffnen. Dann neigte er den Kopf und leckte in einer langen Bahn über ihre Vagina. „Köstlich.“
Nathalie schloss die Augen und ließ sich von der Lust davonreißen. Es war ein bisschen selbstsüchtig, sich einfach hinzulegen und Andrew die Arbeit zu überlassen. Aber sie war fest entschlossen, den Gefallen später zu erwidern. Fürs Erste würde sie alles nehmen, was er ihr bot, und es ohne Schuldgefühle genießen.
Er ließ sich Zeit und heizte ihr langsam ein. Immer wieder leckte er über ihre Schamlippen und nahm ihre Feuchtigkeit auf, hielt sich jedoch von ihrer Klitoris fern. Nathalie sehnte sich danach, seine Finger in ihr und seine Lippen an ihrer empfindlichsten Stelle zu spüren, aber er hatte es nicht eilig.
Ihre Brüste fühlten sich schwer und voll an, ihre Nippel waren steif und brauchten dringend Zuwendung. Sie sehnte sich nach Andrews Händen, aber leider hatte er nur zwei und die waren anderweitig beschäftigt. Plötzlich fielen ihr Jacksons Tentakelpornos ein.
Oh, diese Möglichkeiten. Nathalie lachte leise.
In der wahren Welt würde Andrew sich kaum zusätzliche Gliedmaßen wachsen lassen, aber immerhin hatte sie selbst Hände. Nathalie umschloss ihre Brüste und rieb mit den Daumen ihre Nippel.
Das fühlte sich nicht so gut an wie Andrews schwielige Hände. Nicht ansatzweise.
Mit geschlossenen Augen stellte sie sich Andrews lange Finger an ihren schmerzenden Brustwarzen vor, wie er sie erst ganz leicht zwickte, dann etwas härter …
„Autsch!“ Das hatte wehgetan, dabei hatte sie nicht viel Druck ausgeübt.
„Was ist los, Baby?“ Andrew hob den Kopf. „Habe ich dir wehgetan?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das war ich selber. Meine Nippel sind so verdammt empfindlich.“
„Habe ich dir doch gesagt. Du bekommst bald deine Tage. Deine Brüste sind kurz vorher immer so empfindlich.“
„Ja, du hast recht. Das muss es sein. Und jetzt zurück an die Arbeit.“ Sie deutete auf ihre Körpermitte.
Andrew lachte in sich hinein. „Dein Wunsch ist mir Befehl.“
Andrew
Er würde es weder vor Nathalie noch vor sonst jemandem zugeben, aber es gefiel ihm, wenn sie herrisch wurde.
Abgesehen von Bridget waren alle seine Ex-Freundinnen ziemlich zurückhaltend gewesen. Ihm war bewusst gewesen, dass er sie – wenn auch unbeabsichtigt – einschüchterte. Aber dank seiner Narben, seiner vielen Geheimnisse und seiner nicht unbedingt fröhlichen Art waren Frauen in seiner Nähe eher vorsichtig.
Bei seinen bisherigen, kurzlebigen Beziehungen hatte ihn dieser Mangel an Nähe nie gestört. Genau genommen hatte er auch seine Vorteile gehabt. Es wurden dadurch weniger Fragen gestellt, weniger Zeit eingefordert und es ergaben sich weniger Reibungsflächen.
Nathalie dagegen war besitzergreifend, eifersüchtig und herrisch. Wenn man Andrew früher gesagt hätte, dass er auf so etwas stand, hätte er ausgelacht.
Der Punkt war einfach, dass Nathalie nur deshalb so besitzergreifend und eifersüchtig war, weil sie ihn genauso sehr liebte wie er sie. Und was ihre herrische Ader anging? Sie zeigte nur, dass sie sich in seiner Nähe wohlfühlte und dass er sie nicht einschüchterte.
„Komm schon. Hör auf, mich hinzuhalten. Ich bin kurz davor.“ Sie rieb sich an seinem Mund.
Er hob den Kopf. „Willst du hier kommen? Oder soll ich dich ins Bett tragen?“
Sie lächelte ihm mit verhangenem Blick zu. „Bring mich ins Bett, Großer, und fick mich lange und hart.“
Es war scharf, wenn Nathalie so daherredete. Sie mussten sich unbedingt eine eigene Bleibe suchen, damit sie sich immer so gehen lassen konnte.
„Gib mir zehn Sekunden.“ Andrew sprang auf und drehte das Wasser ab. Dann griff er nach einem der großen Handtücher, die in einer Nische neben der Badewanne bereitlagen. In einer einzigen fließenden Bewegung hob er Nathalie hoch und wickelte sie in das Handtuch. Dann trug er sie ins Schlafzimmer.
„Ich steh darauf, dass du mich ständig trägst“, sagte sie an seine Brust geschmiegt.
„Nur wenn ich Sex will. Alles Bestechung.“ Er legt sie aufs Bett und trocknete sich mit dem Handtuch ab, in das er sie gewickelt hatte. Es war ziemlich feucht, aber es musste reichen. Ein zweites zu holen, hätte zu lange gedauert.
Nathalie stützte sich auf die Ellbogen. „Sehe ich aus wie eine Frau, die bestochen werden muss?“
Andrew legte sich auf sie und rieb die Nase an ihrem Hals. „Nein. Aber ich fühle mich dadurch wie ein ganzer Kerl. Gib es ruhig zu: Es macht dich heiß.“
Nathalie legte ihm die Arme um den Hals. „Tut es. Aber alles an dir macht mich heiß. Du bist ein sehr scharfer Mann.“ Sie verengte die Augen. „Mein scharfer Mann.“
„Nur deiner. Und du gehörst mir. Nur mir.“ Aus irgendeinem Grund hatte sich die Bedeutung dieser Worte für ihn verändert. Bisher hatte es sich immer um eine Liebeserklärung gehandelt. Aber jetzt ging es ihm darum, Nathalie zu vereinnahmen. Er spürte es in jeder Faser seines neuen Körpers.
Anscheinend waren die Gene der Unsterblichen in bestimmten Belangen weiter entwickelt als die der Menschen, in anderen hingegen primitiver. Auf der einen Seite waren sie in Sachen Langlebigkeit und geistiger Fähigkeiten der menschlichen Evolution um Lichtjahre voraus, aber ihre Bedürfnisse und Instinkte hatten in vielerlei Hinsicht etwas Animalisches. Gar nicht erst zu reden davon, wie heftig sie waren. Verglichen mit seinen jetzigen Gefühlen, die auf einer Skala von eins bis zehn eine klare Zehn waren, waren seine Bedürfnisse als Mensch allenfalls eine Zwei gewesen.
Nathalie war seine Gefährtin. Sie gehörte zu ihm. Und er war fest davon überzeugt, dass er jeden töten würde, der sie ihm wegnehmen wollte. Er würde den Herausforderer mit bloßen Händen in Stücke reißen …
Andrew schüttelte den Kopf. Das war Wahnsinn. Er musste diese animalischen Züge bezwingen, bevor er sich in ein hirnloses Monster verwandelte. Wie zum Teufel wurden die anderen männlichen Unsterblichen mit ihren Gefühlen fertig? Tat er sich so schwer, weil das alles neu für ihn war?
Schließlich war er nicht unter ihnen aufgewachsen. Inzwischen verstand er, warum man junge Unsterbliche so hart für Verstöße gegen die Gesetze des Clans bestrafte. Wenn sich nach der Verwandlung ihre Kräfte manifestierten und in der Pubertät auf den Ansturm an Hormonen trafen, blieb den Verantwortlichen gar nichts anderes übrig.
Es war schon schwer genug, menschliche Teenager unter Kontrolle zu halten. Junge Unsterbliche, die gerade erst ihre Kräfte entdeckten, waren wahrscheinlich ein Albtraum. Dank des unersättlichen Sextriebs und ihren raubtierhaften Instinkten konnten sie sich mit Leichtigkeit in Ungeheuer verwandeln.
Jackson und Vlad schienen ausgeglichene, vernünftige Jungs zu sein. Aber man hatte ihnen über Jahre Zurückhaltung eingedrillt und die Vorstellung, ausgepeitscht zu werden, war eine hervorragende Abschreckung.
Vielleicht würden seine anderen Bedürfnisse nachlassen, wenn er sein Verlangen stillte. Er musste in seiner Frau sein. „Bist du bereit für mich?“ Er küsste Nathalies weichen Hals und widerstand der Gier, die Zähne darin zu versenken.
„Warum siehst du nicht selbst nach?“
Sie war tropfnass, aber er zwang sich, es langsam angehen zu lassen und sie mit den Fingern vorzubereiten. Schon vor seiner Verwandlung war sie fast zu eng für ihn gewesen und falls sein Glied gewachsen sein sollte, könnte er ihr wehtun.
Als er problemlos drei Finger in sie hineinschieben konnte, schien sie bereit und er platzierte seinen Schaft an ihrem Eingang.
Nathalie keuchte vor Erwartung. „Jetzt, Andrew …“ Er glitt in sie hinein.
„Ja!“, stöhnte sie.
Andrew zog sich zurück und stieß wieder zu. „So?“
„Genau … Hör nicht auf.“ Sie schlang die Arme um ihn und drückte ihn fest an sich. Dann schloss sie die Augen und überließ sich ihrer Lust.
Oh Gott, wie er diese Frau liebte. Wie sie sich ihm anvertraute.
Und er begriff, dass Liebe, dieses sanfte, zärtliche Gefühl, das Gegengift zu all dem Irrsinn war. Sie erlaubte ihm, es langsam angehen zu lassen und sich Zeit zu nehmen, um seine wunderbare Nathalie zu verwöhnen.
Leider dauerte es nicht lange, bis die Lust die Liebe überstimmte und damit kehrte das wilde Verlangen mit aller Macht zurück.
Nathalie nahm alles, was er ihr gab, kam seinen heftigen Stößen entgegen und verlor genauso die Beherrschung wie er. Ihr Höhepunkt erfasste sie und riss ihn mit sich. Sein Samen ergoss sich in sie, während er von der Gier zuzubeißen überwältigt wurde – von dem primitiven Hunger, sie als sein Eigentum zu brandmarken.
Andrew klammerte sich verzweifelt an seinen gesunden Menschenverstand und zwang sich, die Zähne von Nathalies Hals fernzuhalten. Er leckte und saugte die Stelle, an der er geknabbert hatte, bis er sein letztes Sperma in Nathalies pulsierendes Innerstes ergossen hatte.
Es kam ihm vor, als hätte er eine Unmenge seiner Essenz in sie hineingepumpt. Gut, dass sie die Pille nahm. Sonst hätte er sie mit Sicherheit geschwängert.
Allerdings … In diesem Augenblick, in dem er in ihrer warmen Umarmung lag und sie an Körper und Seele verbunden waren, wünschte er, er könnte ihr ein Kind schenken.
Angesichts ihrer beider Alter gab es keinen Grund, noch länger zu warten.
Ich bin ein Blödmann.
Natürlich gab es einen guten Grund zu warten. Nathalie hatte sich noch nicht verwandelt und selbst heutzutage war eine Geburt nicht ohne Risiken. Er würde auf keinen Fall ihr Leben aufs Spiel setzen.
Andrew hob den Kopf und zuckte zusammen. Er hatte es ganz schön übertrieben. An Nathalies Hals zeichnete sich ein Bluterguss ab, garniert mit Zahnabdrücken.
„Tut mir leid, Schatz.“ Er strich mit einem Finger über die Verfärbung. „Tut es weh?“
Nathalies Miene spiegelte reine Seligkeit wider, aber vielleicht betäubten die Endorphine nach dem Orgasmus den Schmerz.
„Nein, nur ein bisschen und das war es wert.“ Sie lächelte. „Wenn ich mir überlege, dass ich Angst davor hatte, gebissen zu werden … Es ist gar nicht so übel. Es ist sogar erregend.“
Sollte er ihr die Wahrheit sagen? Oh ja, das musste er.
„Ich will dir keine Angst einjagen, aber ich habe nur kurz geknabbert, nicht zugebissen. Meine Fangzähne sind nicht rausgekommen und meine Giftdrüsen funktionieren auch noch nicht, aber das Bedürfnis, dich zu beißen, ist stark. Ich habe versucht, so vorsichtig zu möglich zu sein, weil ich dir damit noch keine Lust verschaffen kann. Nicht, solange ich kein Gift produziere. Der Biss selbst ist nicht gerade ein Spaß.“
„Also mir hat er gefallen. Es war abgefahren.“
Andrews Glied regte sich von Neuem. Unsterblich zu sein, hatte seine Vorteile, aber er durfte nicht vergessen, dass Nathalie ein Mensch war. Er wollte nicht, dass sie wund wurde. Behutsam löste er sich von ihr.
Nathalie packte seinen Hintern. „Wo willst du hin?“
„Unter die Dusche?“
„Oh nein. Wir sind hier noch nicht fertig.“
„Sind wir nicht?“
„Definitiv nicht.“
Robert
Es war demütigend.
Robert stand wie zusammen mit einer Gruppe illegaler Einwanderer an der Ecke eines Lagerhauses und schwitzte in der Hitze von Las Vegas, während er darauf wartete, dass irgendein Penner in einem Pick-up vorfuhr und ihm Arbeit für diesen Tag anbot.
Ein Tag körperliche Arbeit. Das war alles, worauf er hoffen durfte. Das war seine Zukunft. Dafür hatte er die Bruderschaft verlassen und mit ihr das einzige Zuhause, das er je gekannt hatte.
Für die richtige Frau wäre es das wert gewesen, aber er war zu der traurigen Erkenntnis gekommen, dass Carol nicht die Richtige für ihn war.
Er hatte seine Brüder für eine Schlampe betrogen.
Sie hatte ihn mit ihren großen, unschuldigen Augen, dem weichen, blonden Locken und dem wunderschönen Engelsgesicht zum Narren gehalten. Ihr Handel war nicht zu seinen Gunsten verlaufen und er bekam nicht mehr und nicht weniger als das, was er verlangt hatte.
Dass Carol eine Schlampe war, bedeutete nämlich nicht, dass sie keine Ehre im Leib hatte. Sie würde sich an ihre Absprache halten und ihm die drei Monate gewähren, die er verlangt hatte, wenn auch keinen Tag mehr.
Danach stand er mit leeren Händen da und sein Opfer war nichts mehr wert.
Heiße Wüstenluft zerrte an seinem Hemd und schenkte ihm etwas Erleichterung, indem sie den Schweiß auf seinem Rücken trocknete.
Robert sah sich nach den anderen Männern um, die ein paar Schritte entfernt standen. Sie hielten sich von ihm fern, spürten, dass er anders, nein, gefährlich war und das nicht nur, weil er selbst den größten unter ihnen um einen Kopf überragte.
Die Männer wussten, dass er keinen von ihnen war. Doch ihre Situation war durchaus vergleichbar. Sie alle waren pleite und brauchten dringend Arbeit.
Robert griff nach seiner Brieftasche und zählte das wenige verbliebene Bargeld. Ein paar Zwanziger, ein Fünfer, zwei Einer und ein bisschen Münzgeld. Carol hatte ihm Taschengeld angeboten, aber er würde eher verhungern als es anzunehmen. Dass sie für all ihre Auslagen aufkam, war beschämend genug.
Er hätte gern eine kalte Cola getrunken, aber Wasser musste reichen. Die Besitzer des Lagerhauses waren so freundlich, einen gefüllten Wasserspender für die Tagelöhner bereitzustellen. Robert holte sich einen Pappbecher, füllte ihn mit kühlem Wasser und trank ihn in einem Zug aus. Er füllte noch zweimal nach, bevor er den Becher zerknüllte und in den Mülleimer warf.
Ein Pick-up kam neben ihnen zum Stehen. Der Fahrer musterte die Wartenden, dann zeigte er auf Robert. „Du da, Großer. Hast du schon mal ein Sprinklersystem installiert?“
Robert nickte. Er wusste, wie die Dinger aussahen. Das musste reichen. Den Rest würde er während der Arbeit herausfinden. Schließlich konnte er es sich nicht leisten, ein Angebot abzulehnen.
„Dann komm, steig ein.“
Robert fragte nicht, wie viel der Mann zu zahlen bereit war. Er war an einem Punkt, an dem ihm jeder Preis recht war.
Er ging zur Beifahrerseite und stieg ein. „Robert.“ Er bot dem Mann die Hand an.
Der Fahrer riss überrascht die Augen auf, als er ihm die Hand schüttelte. „Don. Aber meine Freunde nennen mich Donny. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier auf einen Ami treffe. Die meisten sind illegale Einwanderer.“ Er legte den Gang ein und der Pick-up fuhr an. „Normalerweise stelle ich keine Leute von der Straße ein, aber zwei meiner Jungs sind heute Morgen nicht aufgetaucht. Die Deppen haben sich krankgemeldet, aber das war eine faule Ausrede. Wahrscheinlich haben sie einfach einen Kater.“ Er zwinkerte Robert zu.
Robert schenkte ihm ein dünnes Lächeln. „Ehrlich gesagt bin ich Australier.“
Er war nicht gut im Umgang mit Menschen. Verdammt, egal, ob Menschen oder Unsterbliche, er tat sich mit allen schwer. Zu seinem Glück war Don eine Quasselstrippe.
„Oh, von Down Under, ja?“ Er imitierte Roberts falschen australischen Akzent. „Was führt dich her?“
„Eine Frau.“ Das stimmte zumindest teilweise.
Don nickte mitfühlend. „Man tut schon die seltsamsten Dinge für die richtige Frau. Ihr um die halbe Welt zu folgen, gehört auch dazu. Ich hoffe, sie ist es wert.“
Robert rieb sich den verschwitzten Hals. „Ich weiß es nicht.“
„Macht sie dir Ärger?“, fragte Don mit begieriger Miene. Offenbar hatte er in Faible für Tratsch.
„Eigentlich nicht. Sie ist nur nicht die Frau, für die ich sie gehalten habe.“
„Du hast sie also nicht gekannt, bevor du hergekommen bist? War es eine Internetgeschichte oder so?“
„Genau.“ Es gefiel Robert, dass Don Fragen stellte und im nächsten Atemzug selbst eine Antwort lieferte. Sich spontan Lügen einfallen zu lassen, gehörte nicht zu seinen Stärken.
Don schüttelte den Kopf. „Ein Freund von mir wurde von seiner Frau für einen Typen aus dem Internet lassen, genau wie du ein Australier. Drei Kinder und zwölf Jahre Ehe, aber das war ihr scheißegal. Sie hat alles hingeschmissen, und das für einen Kerl, mit dem sie im Internet gechattet hat. Er ist hergeflogen, sie haben geheiratet, das ganze Programm. Zwei Jahre später hat sie sich von ihm auch scheiden lassen. Aber so hat er wenigstens seine Greencard bekommen.“
„Was ist eine Greencard?“
Don sah Robert an, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank. „Wie kannst du in den Staaten sein und nicht wissen, was eine Greencard ist?“
Robert zuckte mit den Schultern. Sie waren in ihren Briefings nicht darüber unterrichtet worden.
„Es ist ein Dokument, das besagt, dass du dich legal im Land aufhalten darfst. Heißt, du hast fast alle Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers. Du darfst arbeiten, musst Steuern zahlen und so weiter.“ Don unterbrach sich, als sie die Baustelle erreichten.
Diese Greencard war genau das, was Robert brauchte. Aber er hatte noch nicht begriffen, wie das Ganze funktionierte.
„Ich verstehe nicht. Wieso hat er für die Scheidung eine Greencard bekommen?“
Don verdrehte die Augen. „Nicht wegen der Scheidung. Wegen der Ehe. Wenn man eine Amerikanerin heiratet, bekommt man eine Greencard.“ Er betonte jede Silbe, als spräche er mit jemandem, der kein Englisch beherrschte.
„Okay. Das ergibt Sinn. Ich schätze, das Herumlungern in der Sonne hat mein Gehirn überfordert.“ Robert versuchte es mit einem Lächeln.
Das schien Don zu beschwichtigen und er klopfte Robert auf die Schulter. „Typisch für die Sonne in Vegas. Du hast Glück. Wir bringen heute die Sprinkler im Keller an. Im Gegensatz zu draußen ist es da angenehm kühl.“
Als der Vorarbeiter erklärte, worin ihre heutige Aufgabe bestand, begriff Robert, warum Don sich ausgerechnet für ihn entschieden hatte. Das Sprinklersystem sollte an der Kellerdecke angebracht werden. Dabei war seine Größe von Vorteil.
Was Don jedoch nicht erwartet hatte, waren Roberts Kraft und Ausdauer. Er war schnell, effektiv und ermüdete nicht. Es dauerte nicht lange, bis den Bauarbeitern bewusst wurde, dass er problemlos für drei arbeiten konnte.
Eine Stunde später blieb der Vorarbeiter neben Roberts Leiter stehen und sah zu ihm auf. „Wenn du den Job willst, gehört er dir, Junge. Er ist gut bezahlt.“
Das weckte Roberts Interesse. „Wie viel?“
„Fünfundzwanzig die Stunde.“
Er hatte keine Ahnung, ob das ein guter Stundenlohn war, und es war ihm auch egal. Er hätte auch für die Hälfte Mist geschaufelt und sich dafür bedankt. Sein Problem war, dass er keine Papiere hatte.
Robert wischte sich den Schweiß ab und runzelte die Stirn.
Der Vorarbeiter legte die Hand auf die dritte Sprosse und rückte näher. „Mach dir keine Sorgen wegen dem Papierkram. Für einen Kerl wie dich kümmert sich Don schon darum.“
„Danke.“
Mit einem Blick auf all die Arbeit, die Robert in der vergangenen Stunde geschafft hatte, lächelte der Vorarbeiter. „Nein, ich danke dir.“
Nach einer Weile ging Robert die eintönige Arbeit wie von selbst von der Hand, sodass er über Dons Eröffnungen nachdenken konnte. Wenn Carol bereit war, ihn zu heiraten, würde er an die heiß begehrte Greencard gelangen. Wie es aussah, hatte das Schicksal ihn zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort geführt.
Angeblich war Las Vegas der beste Ort für eine spontane Hochzeit. Seitdem Carol und er sich im MGM eingebucht hatten, hatte er schon mehrere Paare in schicker Garderobe in der Lobby und im Casino gesehen. Carol hatte ihm erklärt, dass sie die traditionelle Kleidung für Braut und Bräutigam trugen. Sie hatte auch die Vorteile einer Hochzeit in Las Vegas erwähnt.
Das Problem war nur, sie von seinem Plan zu überzeugen. Sie liebte ihn nicht und Robert glaubte nicht mehr daran, dass sie es je tun würde. Dennoch, sie könnte es als Gefallen ansehen. Schließlich war es nicht sehr wahrscheinlich, dass ihr wahrer Gefährte in nächster Zukunft auftauchte.
Sie könnten fix heiraten und anschließend ihrer Wege gehen.
Robert ließ die Hand sinken, in der er den schweren Schraubenschlüssel hielt. Es würde ihm schwerfallen, sich von Carol zu verabschieden. Er liebte sie nicht, aber er hatte sich daran gewöhnt, sie um sich zu haben.
Reichte es nicht, dass man sich wichtig war?
Sie mochten sich und der Sex war nicht mit dem mit einer sterblichen Frau zu vergleichen. Carol hatte dasselbe gesagt. Es war nicht perfekt. Sie hatten nicht die wahre Liebe gefunden, aber was sie hatten, war immer noch besser als allein durchs Leben zu gehen.
Viel besser.
Wenn er von der Arbeit kam, würde er mit Carol reden.
Robert stöhnte leise. Es würde nicht leicht werden. Inzwischen hatte er eine ziemlich gute Vorstellung, wer Carol war und wie sie tickte. Selbst wenn sie sich auf seinen Vorschlag einließ, konnte er sich vorstellen, welche Bedingungen sie stellte.
Nachdem seine drei Monate um waren, würde sie darauf bestehen, mit jedem ins Bett zu gehen, den sie wollte. Egal wo, egal wann. Und damit hatte Robert ein gewaltiges Problem.