Dark Warrior
Meine Sehnsucht
Dark Warrior
Meine Sehnsucht
Andrew
Bin gerade gelandet und nehme mir gleich ein Taxi. Ich kann in einer Stunde bei dir sein, schrieb Andrew Bridget, sobald er sein Handy wieder einschalten durfte.
Sie antwortete sofort. Ich warte schon ungeduldig. ( ‘}~{‘ )
Er brauchte ein paar Sekunden, um zu verstehen, was sie damit andeuten wollte.
Süß.
Für eine Unsterbliche, die weiß der Himmel wann geboren worden war, kam sie erstaunlich gut mit modernen Chat-Ausdrücken klar. Besser als er. Andrew hatte Bridget nie gefragt, wie alt sie war. Zum einen, weil es ihm unhöflich erschien, und zum anderen, weil er Angst vor der Wahrheit hatte. Für einen vierzigjährigen Mann wäre es mehr als eigenartig zu erfahren, dass seine Freundin mehrere hundert Jahre alt war.
Andrew fragte sich, wie Syssi mit dem Alter ihres Ehemanns zurechtkam. Seine kleine Schwester war vierzehn Jahre jünger als er und hatte sich in Kian verliebt, bevor sie herausgefunden hatte, dass ihr Freund nicht nur aussah wie ein griechischer Gott, sondern auch genauso alt war.
Die wenigen Clanmitglieder, die Andrew seit seiner Begegnung mit dieser neuen Welt kennengelernt hatte, bewegten sich alterstechnisch zwischen etwas über zweihundert – wie zum Beispiel Amanda – und fast zweitausend Jahren wie sein neuer Schwager Kian. Ganz zu schweigen von deren Mutter, die eine über fünftausend Jahre alte Göttin war.
Auch bei ihr würde er es sich nie erlauben, nach ihrem Alter zu fragen. Er war ein Adrenalinjunkie, aber nicht so dumm, als dass er sich in den sicheren Tod gestürzt hätte.
Nach einem Tag endloser Meetings, gefolgt vom fünfstündigen Rückflug von Washington nach Los Angeles, hätte er es eigentlich vorgezogen, wenn Bridget zu ihm nach Hause gekommen wäre. Das Problem war, dass in den zwei Wochen seiner Abwesenheit vermutlich alles im Kühlschrank vergammelt war.
Sicher, er hätte einfach etwas bestellen können, aber abgesehen davon, war sein Bett nicht gemacht und roch vermutlich auch nicht besonders frisch. Er konnte sich nicht einmal erinnern, wann er zuletzt die Bettwäsche gewechselt hatte. Nicht, dass man sie schon als ekelig bezeichnen konnte, aber Bridget verdiente etwas Besseres.
Er hatte überlegt, ihr aus Washington ein Geschenk mitzubringen, sich aber letztendlich dagegen entschieden. Zum einen war Bridget genauso reich wie alle anderen Clanmitglieder. Daher war es möglich, dass sie alles, was Andrew für ein angemessenes Geschenk hielt, als Schrott betrachtete. Zum anderen hatte er keine Ahnung, was man Frauen schenkte, geschweige denn einer wie Bridget. Die praktische Natur der Ärztin spiegelte sich auch in ihrem Geschmack wider.
Abgesehen davon, dass sie eine Vorliebe für die Farbe Rot hatte.
Verdammt, allein der Gedanke an ihre roten High Heels reichte, um ihn hart zu machen. Aber schließlich konnte er ihr kaum Schuhe kaufen. Selbst wenn er zu den Männern gehört hätte, die die Schuhgröße einer Frau abschätzen konnten, kosteten ihre bevorzugten Modelle locker tausend Mäuse – das konnte er sich von seinem Regierungsgehalt nicht leisten.
Tja, damit fühlte er sich allenfalls fähig, einer Frau Pralinen und Blumen mitzubringen.
Aber zumindest war er nicht so ahnungslos wie Bhathian, der nicht einmal wusste, wie man sich in Gegenwart einer Frau benahm oder was man sagte.
Er hatte eine Scheißangst gehabt, seine langverlorene Tochter zu besuchen, nachdem Andrew sie für ihn aufgespürt hatte. So sehr, dass er Andrew vor dessen Reise gebeten hatte, ihn in ihr Café zu begleiten, damit sie sich einfach an einen Tisch setzen und als normale Gäste ausgeben konnten.
Andrew hatte sich nicht wohlgefühlt, Bhathian im Regen stehen zu lassen, aber ihm war keine andere Wahl geblieben. An dem Abend, als er Bhathian die Nachricht von der Existenz seiner Tochter überbracht hatte, war ihr Café bereits geschlossen gewesen und am nächsten Morgen hatte man ihm befohlen, die Koffer zu packen und den nächsten Flieger nach Washington zu nehmen.
Die Reise hatte sich als Zeitverschwendung erwiesen. Er hatte zwei verdammte Wochen im Hauptquartier von Homeland Security verbracht und in langweiligen Meetings festgesessen, in denen ihm besserwisserische Bürokraten erklären wollten, wie man einen Einsatzplan ausarbeitete – Erkenntnisse, die man genauso gut in fünf Absätzen auf einem Notizblock festhalten konnte.
Tatsächlich hatte er genau das aus den zwei Wochen mitgenommen: eine lächerliche Seite Notizen.
Da hätten sie ihm auch eine E-Mail schicken können, verdammt noch mal. Es hatte sowieso niemanden interessiert, was er zu sagen hatte.
Scheiße, er hoffte, Bhathian hatte mit seinem Besuch bei dem Mädchen nicht auf ihn gewartet. Pardon, mit dem Besuch bei der Frau, denn immerhin war seine Tochter dieses Jahr dreißig geworden.
Eine Stunde später klopfte Andrew an Bridgets Tür. Zum Glück war ihm auf der Fahrt von der privaten Parkgarage des Clans hinauf zu ihrer Etage niemand begegnet. Und mit niemand meinte er Bhathian.
Nach seiner Wiedervereinigung mit Bridget würde er ihn anrufen.
Andrew und die Ärztin hatten jede Menge nachzuholen. Während er in Washington war, hatte er seine ganze Kraft für die unersättliche Untersterbliche aufgespart. Heute würde er ihr zeigen, wie viel Stehvermögen er hatte.
Bridget öffnete ihm in einem langen weißen T-Shirt und roten High Heels die Tür. Das war alles. „Andrew, du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich mich freue, dich zu sehen“, schnurrte sie.
„Nicht so sehr wie ich dich.“
Er hob sie hoch, um sie zu küssen, und versetzte der Tür hinter ihnen einen Tritt. Sofort schlang sie die Beine um seine Hüften.
Unter dem halb durchsichtigen Oberteil war Bridget nackt. Jede Rundung und Wölbung ihrer üppigen Brüste und harten Brustwarzen war klar zu erkennen und das Schlafzimmer war viel zu weit entfernt.
Andrew wirbelte sie herum, um sie gegen die nächste Wand zu drücken. „Ich kann nicht warten“, stöhnte er. Mit einer Hand hielt er sie fest, mit der anderen griff er nach seiner Gürtelschnalle.
„Lass mich das machen.“ Sie schob seine Hand beiseite und öffnete ihm die Hose. Kaum, dass sie seinen Schaft in der Hand hielt, führte sie ihn in ihre feuchte Hitze ein. Er zögerte, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er mit einem einzigen kraftvollen Stoß in sie eintauchte.
Stöhnend ließ sie den Kopf nach hinten fallen.
Dank der Wand, die Bridgets Gewicht hielt, und ihren Beinen um seine Hüften musste er nur eine Hand unter ihren Po schieben, um das Gleichgewicht zu halten. Doch auch die andere wusste er zu nutzen, schob ihr das T-Shirt hoch und umfasste eine ihrer Brüste.
Bridget hatte eine bessere Idee, riss sich das Ding über den Kopf und beförderte es auf den Boden. Jetzt war sie abgesehen von ihren Schuhen nackt.
Die konnte sie gern anbehalten.
Oh Gott, war das scharf.
Andrew spielte abwechselnd mit ihren Brustwarzen und schenkte jeder dieselbe liebevolle Aufmerksamkeit.
Bridget strich ihm durch das kurze Haar und packte seinen Kopf, um ihn für einen hungrigen Kuss an sich zu ziehen. Als ihre Zungen und Zähne aneinanderstießen, war sie mit ihren spitzen Fangzähnen im Vorteil und kaum, dass sie ihm auf die Unterlippe biss, blutete er.
Wilde Unsterbliche.
Er versetzte ihr einen Klaps auf den Hintern, dann packte er beide Pobacken und stieß lustvoll in sie hinein.
„Ja! Oh, beim Schicksal, ja!“ Bridget schien kaum zu bemerken, dass Andrew sie mit solcher Wucht gegen die Wand drängte, dass der Putz abplatzte und kleine Farbsplitter durch die Luft flogen.
Wäre sie eine Sterbliche gewesen, hätte sie reihenweise blaue Flecken davongetragen. Aber dank ihrer außergewöhnlichen Widerstandskraft konnte Andrew einfach weitermachen.
Es tat so verdammt gut, sich lebendig, stark und männlich zu fühlen. Doch als er sich seinem Höhepunkt näherte, kam Andrew ein Gedanke: So fantastisch der Sex war, irgendetwas fehlte.
„Jetzt“, zischte Bridget.
Er gehorchte, folgte ihr zum Höhepunkt und kam heftig in ihr. Sie molk seinen Schaft mit ihren Muskelzuckungen mehr, als es mit einer Faust je möglich gewesen wäre.
„Gott, Bridget …“ Ihm fehlten die Worte, als er sie herunterließ.
Ihre Oberschenkel zitterten ein wenig, aber als sie ihre Füße den Boden berührten, fand sie sicheren Stand. „Komm mit ins Bett.“ Sie beugte sich vor und zog ihm die Hose hoch, schloss sie jedoch nicht. „Ich will schließlich nicht, dass du unterwegs hinfällst. Immerhin habe ich noch einiges mit dir vor.“ Zwinkernd ging sie vor.
Zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass ihr Rücken zwar gerötet, aber unverletzt war. Doch als sie vor ihm herschlenderte, entdeckte er auf einer ihrer prallen Pobacken den blassen Abdruck einer Hand. Dagegen hatte er nichts einzuwenden. Ganz und gar nicht.
Genau genommen spürte er, wie sein Glied sich wieder regte. Gut, die Abstinenz machte sich bezahlt. Heute Abend würde er länger durchhalten, hoffentlich lange genug, um die lüsterne Unsterbliche zu befriedigen.
Zwei Stunden später hätte er sich selbst dann nicht mehr geregt, wenn sämtliche Victoria’s Secret-Models nackt vor ihm entlang flaniert wären. Und wenn man sich die Zunge verknacksen könnte, bräuchte seine inzwischen wohl Krücken.
Das fröhliche Liedchen, das Bridget in der Küche pfiff, versetzte seiner Männlichkeit einen Tiefschlag. Sie würde ihn noch umbringen. Zwar auf höchst lustvolle Weise, aber tot wäre er anschließend trotzdem.
Andrew schloss die Augen und atmete tief durch. Er war nicht auf den überlegenen Geruchssinn der Unsterblichen angewiesen, um den Sexgeruch an der Bettwäsche wahrzunehmen. Wenn ihm noch ein winziges bisschen Kraft geblieben wäre, hätte er sich wohl häuslich betätigt und sie gewechselt.
Nach wie vor nackt kam Bridget mit einem vollen Tablett ins Schlafzimmer geschlendert und stellte es auf den Nachttisch. „Setz dich auf. Ich muss dich aufpäppeln. Du siehst blass aus.“
„Warum nur?“, fragte er, als er sich in den Kissen aufrichtete und den Kaffeebecher entgegennahm, den sie ihm reichte.
„Armer Schatz. War es zu viel für dich?“
Okay, das war gemein. „Ganz und gar nicht. Gib mir eine Stunde und ich bin wieder fit.“ Nicht einmal, wenn mein Leben davon abhinge …
„Aha. Na klar. Das glaube ich dir aufs Wort.“ Sie reichte ihm ein Stück Gebäck. Während er kaute, fiel ihm ein, dass er Bhathian immer noch einen Rückruf schuldete. Aber das musste warten, bis er sich wieder bewegen konnte. „Das ist lecker. Wo hast du es her?“
„Ich war heute Morgen in Fairfax unterwegs und habe mich vom Duft in eine neue Bäckerei locken lassen. Ich weiß nicht mehr, wie sie heißt, aber der Name steht auf der Schachtel, falls du ihn dir aufschreiben willst. Ich habe eine ganze Auswahl mitgenommen, um alles zu probieren, aber ich fürchte, das hier ist das Einzige, was übrig ist.“ Sie lächelte verlegen.
„Ach ja? Wer hat denn die anderen gegessen?“
„Ich.“
„Wie viele waren es?“
„Elf. Es waren zwölf in der Schachtel.“
Und dabei hatte er gedacht, dass Bridget sich nur von Gemüse ernährte. Bei einem solchen Appetit auf Gebäck war es ein Wunder, dass sie nicht fülliger war.
Er bewunderte ihre schmale Taille. „Wo lässt du das alles?“
„In den Brüsten und im Po.“ Sie tätschelte besagte Körperteile.
„Dann kannst du gern mehr essen, wenn es nach mir geht. Ich liebe deine Kurven.“
Ein trauriger Schatten trat in ihren Blick, aber nur für einen Moment. Sie schüttelte ihn sogar so schnell ab, dass Andrew nicht sicher war, ob er wirklich da gewesen war oder ob er ihn sich nur eingebildet hatte.
Sie grinste. „Du und die Bauarbeiter, die gerade das alte Bürogebäude an der Olive Street sanieren. Jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme, pfeifen sie mir nach und rufen mir Zeug hinterher.“
„Soll ich sie für dich zusammenschlagen?“
Sie lachte. „Warum das denn, bitte sehr?“
„Einige Frauen finden so etwas unangebracht.“ Er zuckte mit den Schultern.
„Gegen die Pfiffe habe ich nichts. Aber die Kommentare, von denen sie glauben, dass ich sie nicht hören kann …“
„Mein Angebot steht.“
Sie lehnte sich nach vorn, um ihn auf die Wange zu küssen. „Du bist so lieb.“
„Was ist nur mit euch unsterblichen Frauen los, dass ihr mich alle für lieb haltet? Nicht mal meine eigene Mutter hat mich je als lieb bezeichnet.“
Sie küsste ihn erneut, dieses Mal auf den Mund. „Wo liegt das Problem? Kratze ich damit an deinem Macho-Ego?“
Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Exakt.“
Bridget schenkte ihm Kaffee nach und reichte ihm als Friedensangebot ein Stück Apfel. „Kannst du über Nacht bleiben?“
Und sich als Lügner herausstellen, wenn er auch in drei Stunden noch schlapp wie eine Nudel war? Auf gar keinen Fall. „Ich wünschte, ich könnte, aber ich muss mit Bhathian reden. Ich habe ihm etwas versprochen und bin noch nicht dazu gekommen, da mein Chef mich ohne Vorwarnung zu dieser nutzlosen Konferenz geschickt hat.“
„Du könntest hinterher wiederkommen. Ich fliege morgen nach Baltimore …“
„Ich dachte, Julians Abschlussfeier ist erst nächste Woche.“
„Stimmt auch, aber ich will ein bisschen Zeit mit ihm verbringen und er hat vor, nach seinem Abschluss eine Weile mit seinen Mitbewohnern auf einen Roadtrip zu gehen.“
Verdammt, Andrew hasste es, sie zu enttäuschen, aber die Vorstellung, länger zu bleiben, fand er noch unangenehmer. Sein Koffer war noch im Auto, weil er vom Flughafen direkt hergekommen war, und morgen stand ihm ein langer Arbeitstag bevor. Er musste nach Hause.
Andrew nahm sie in die Arme und küsste sie sanft. „Es tut mir leid, aber ich muss unbedingt nach Hause und auspacken. Und nachschauen, ob sich in meinem Kühlschrank neues Leben entwickelt hat …“, versuchte er es mit Humor.
Es funktionierte. Bridget lächelte. „Faszinierend. Falls ja, bring mir ein paar Proben mit.“
„Ich verspreche, für dich etwas Besseres als Schimmelkulturen bereitzuhalten.“
„Und was mag das sein?“
„Lebenskraft? Energie?“ Er verzog das Gesicht.
Bridget lachte. „Nach zehn Tagen ohne Sex hast du das auch nötig.“
„Ich weiß.“
Sebastian
Sebastian stand auf dem neuen Balkon im zweiten Stock des alten Klosters, lehnte sich über das Geländer und warf einen finsteren Blick auf die Autos unter ihm. Er musste feststellen, dass der Bau eines Parkplatzes ein weiterer Punkt war, den er beim Aufbau der neuen Basis im malerischen Ojai vernachlässigt hatte.
Vor dem Gebäude sah es aus wie auf einem Schrottplatz. Tagsüber war es sogar noch schlimmer.
Er sollte von seinem Balkon aus über weite Rasenflächen und Blumenbeete blicken, nicht auf einen Haufen Gebrauchtwagen, die sich kreuz und quer auf festgefahrenem Schotter verteilten.
Ein gepflasterter Rundweg als Einfahrt mit einem Brunnen inklusive Statue in der Mitte, umgeben von Rosenbüschen, hätte dem Gebäude etwas Majestätisches verliehen.
Aber nun, da die Krieger angekommen waren, war es nicht mehr so einfach, Bauarbeiter herzubestellen. Sie müssten dafür das Training aussetzen und die Jungs müssten sich unsichtbar machen. Schließlich entsprachen sie kaum dem Bild von Menschen, die einen friedlichen, spirituellen Rückzugsort besuchten.
Gegen die Autos selbst ließ sich auch nichts unternehmen. Seine Krieger brauchten sie, um zu den Clubs zu fahren, in denen sie Nacht für Nacht nach den Männern des Clans suchten. Tom und Robert waren losgezogen und hatten den Vorplatz innerhalb weniger Tage mit einer ganzen Reihe Gebrauchtwagen gefüllt. Sebastian wäre lieber in ein Autohaus gegangen, um eine Flotte zu leasen. Doch Tom war fest überzeugt gewesen, dass es diskreter wäre, von Privatpersonen zu kaufen.
Inzwischen standen ihnen neunundzwanzig Wagen zur Verfügung: ein großer Lkw – nur für den Fall der Fälle – und eine Auswahl an Minivans und SUVs. Während sich die Krieger jeweils zu dritt ein Auto teilten, hatte Sebastian darauf bestanden, dass seine beiden Assistenten und er alle ein eigenes, brandneues Auto bekamen.
Aus offensichtlichen Gründen waren alle mit verdunkelten Fenstern ausgestattet.
Die Autos waren in zweifacher Hinsicht wichtig. In erster Linie dienten sie als fahrbarer Untersatz, aber falls nötig, ließ sich bei allen Modellen der Rücksitz umlegen, um eine schnelle Nummer zu schieben.
Solange das Bordell im Keller so dünn besetzt war, mussten die Bedürfnisse seiner Truppen außerhalb der Basis befriedigt werden. In den letzten beiden Wochen hatte Sebastian nur fünf weitere Mädchen aufgespürt. Das war nicht ansatzweise genug, um mit fünfundsiebzig unsterblichen Kriegern, zwei Assistenten und einem Sadisten fertig zu werden. Aber sein Tag hatte auch nur vierundzwanzig Stunden und die richtigen Frauen ausfindig zu machen, erforderte viel Mühe und damit Zeit.
Die meisten Kandidatinnen waren schlicht nicht geeignet gewesen.
Was ihn an ein weiteres Problem erinnerte, das er nicht bedacht hatte. Menschliche Frauen waren auf Sonnenlicht und frische Luft angewiesen, um gesund und bei Laune zu bleiben. Eine Bezauberung konnte nichts gegen die Depressionen ausrichten, die vom Mangel an natürlichem Licht und den winzigen Gefängniszellen ausgelöst wurden.
Inzwischen hatte er eingesehen, dass er die Mädchen nicht vierundzwanzig Stunden am Tag im Keller einsperren konnte.
Auf Passion Island standen den Frauen mehrere Swimmingpools, Bars und Restaurants zur Verfügung, dazu natürlich der herrliche, tropische Strand. Es war ein grober Fehler von ihm gewesen, sich die Bedeutung solcher Annehmlichkeiten nicht bewusst zu sein.
Sebastian hätte wissen müssen, dass der Erhabene Anführer des Frommen Ordens von Mortdh nie etwas ohne guten Grund tat. Wenn Navuh seinen Huren Erholung im Freien ermöglichte, dann nur, weil es für die Gesundheit und die Fähigkeit der Frauen, ihre außergewöhnlichen Dienste auf seiner geheimen Insel anzubieten, von entscheidender Bedeutung war.
Sebastian zog sein Handy hervor und wählte Roberts Nummer. „Hol Tom. Wir treffen uns draußen.“
„Ja, Sir.“
Sebastian verdrehte die Augen, sagte jedoch nichts. Robert war ein hoffnungsloser Fall.
Er lief die Treppe hinunter und warf einen Blick in den großzügig bemessenen Aufenthaltsraum. Die Männer hatten ihre Pflichten für den Tag hinter sich gebracht und entspannten sich nun beim Billard oder indem sie einen Film schauten, bevor sie sich für die nächtliche Patrouille in den Clubs umzogen.
Dass Sebastian ihnen die Hausarbeit aufgebrummt hatte, hatte für viel Gemurre gesorgt. Aber er hatte nicht vor, Menschen aufs Grundstück zu lassen, damit diese das Kochen und Putzen übernahmen. Vielleicht, wenn alle Zimmer im Keller belegt waren, sodass er sich der Suche nach einem anständigen Koch widmen konnte. Er hatte die gegrillten Steaks und Hamburger satt, die die Männer abwechselnd zubereiteten. Darüber hinaus konnten sich die faulen Hunde weiter um die Wäsche kümmern, die Böden wischen und die Toiletten schrubben. Immerhin hatten sie tagsüber kaum etwas zu tun. Fünf Stunden Training am Tag reichten, um sie fit zu halten, und ihre übrige Arbeit erledigten sie nachts.
Draußen empfing Sebastian die frische Bergluft. Abgesehen vom Gemurmel der Männer im Haus waren nur das Zirpen der Grillen und ab und zu der Schrei einer Eule zu hören. Selbst die Kojoten wagten sich nicht in die Nähe des Grundstücks.
„Du wolltest uns sehen, Boss?“, fragte Tom hinter ihm.
„Ja, ich will ein paar Veränderungen am Grundstück vornehmen.“ Er deutete auf die Autos. Im schwachen Mondlicht waren ihre Farben zu verschiedenen Schwarz- und Grauschattierungen verblasst. „Ich will die nicht mehr sehen, wenn ich aus dem Fenster schaue.“
Robert sah sich zu den sanften Hügeln um, die das ehemalige Kloster umgaben. „Das hier ist die einzige ebene Fläche.“
Das Problem mit Untergebenen, die gut im Befolgen von Befehlen waren, war, dass sie nicht selbstständig denken konnten. Man musste ihnen alles vorkauen.
„Was hast du dir vorgestellt?“, fragte Tom.
„Ich will, dass der Parkplatz nach dort drüben verlegt wird.“ Sebastian deutete zur anderen Seite des Gebäudes. „Und ich will eine kreisförmig angelegte Einfahrt mit einem Brunnen in der Mitte. Das restliche Gelände muss bepflanzt werden: Rasen, Blumen, Bäume, das übliche.“ Sebastian setzte sich in Bewegung. „Kommt mit.“ Er bedeutete ihnen, ihm zu folgen.
Früher hatten sich im hinteren Teil des Klosters weite, von Kieswegen durchzogene Gärten erstreckt. Davon war nichts mehr zu sehen außer Unkraut. Dazu gesellte sich der Bauschutt, der noch nicht abgefahren worden war.
„Ich überlege, hier einen Swimmingpool zu bauen, dazu dort drüben unter Rankgittern eine Bar. Wir müssen große, schon halbwegs ausgewachsene Bäume herschaffen, damit sie das Areal mit ihren Kronen abschirmen. An einem religionsübergreifenden, spirituellen Rückzugsort erwartet man nicht unbedingt Mädchen im Bikini.“
Robert wirkte fasziniert.
„Und wie sollen wir das deiner Meinung nach hinbekommen?“, fragte Tom.
„Genau das muss ich jetzt herausfinden. Wenn es nur darum ginge, ein paar Bäume zu pflanzen, würde ich es die Männer machen lassen. Aber für den Pool und die anderen Umbauten brauchen wir einen Bauunternehmer mit schwerem Gerät.“
Robert verschränkte die Arme vor der Brust und begann auf- und abzutigern. „Das läuft auf eine Ausgangssperre hinaus“, murmelte er. „Wir müssten mehrere Bauunternehmer mit großen Teams herkommen lassen, die alles in ein paar Stunden erledigt bekommen. Solange gebaut wird, müssen die Männer im Haus bleiben.“
„Was ist mit den Autos?“, fragte Tom.
„Wir stellen sie an der Straße ab, eins hinter dem anderen.“
Sebastian klopfte Robert auf den Rücken. „Das ist eine sehr gute Idee. Wir könnten den Bauarbeitern sagen, dass Gäste im Haus sind und sich die Arbeiten auf eine festgelegte Anzahl an Stunden am Tag beschränken müssen. Das würde auch die Autos erklären.“
Der ohnehin schon große Mann schien um mehrere Zentimeter zu wachsen. „Danke, Sebastian“, sagte er zum ersten Mal, ohne zu stottern oder vor sich hin zu murmeln.
Tom spendete Applaus. „Endlich.“
Andrew
Ich bin wieder zurück und im Gebäude. Wollen wir uns unten treffen?, schrieb Andrew Bhathian.
Komm zu mir. 37. Stock, Wohnung 4.
Bin unterwegs.
Bridgets Wohnung lag nur ein Stockwerk über Bhathians, sodass Andrew sich für die Treppe entschied.
Er hatte sich bereits von Bridget verabschiedet. Zwar hatte er ihr angeboten, sie morgen zum Flughafen zu fahren, doch sie hatte abgelehnt. Ihr Flug ginge erst am Nachmittag und es sei nicht nötig, dass er sich freinahm. Ein Taxi würde reichen.
Zu seiner Schande war Andrew erleichtert. Im Büro wartete stapelweise Arbeit auf ihn und um den Rückstand aufzuholen, musste er nicht nur die Mittagspause durcharbeiten, sondern auch Überstunden einlegen. Seine verfluchten Vorgesetzten erwarteten von ihm, dass er einen Bericht ablieferte – und das, obwohl sie ihn auf diese nutzlose Reise geschickt hatten.
Andrew klopfte mit den Knöcheln an die Wohnungstür und wartete.
Kurz darauf öffnete Bhathian ihm. „Hey, Kumpel. Komm rein. Wie war die Reise?“ Er bot Andrew die Hand an.
„Reine Zeitverschwendung.“ Nach einem kurzen Handschlag folgte Andrew Bhathian in die Wohnung.
In Grundriss und Ausstattung war es mit Bridgets Apartment identisch. Doch während sie ihr Zuhause mit allerlei Schnickschnack dekoriert hatte und es sauber und ordentlich hielt, war Bhathians Wohnung genau das, was man von einer Junggesellenbude erwartete.
Auf dem Esstisch stand ein offener Pizzakarton und auf jeder freien Oberfläche sammelten sich Bierflaschen. Offensichtlich hatte Bhathian sämtliche Reste von Kians Junggesellenabschied eingesackt, denn in den meisten Fällen handelte es sich um Snake Venom, jenes teure, starke schottische Bier, das Anandur für die Party besorgt hatte.
Bhathian folgte seinem Blick. „Willst du eins? Ich habe noch jede Menge da.“
„Klar, warum nicht?“
Bhathian verschwand in der Küche und kehrte mit zwei kalten Flaschen zurück.
Andrew nahm eine entgegen. „Ich bin überrascht, dass noch so viele übrig sind. Ich dachte, wir hätten alles leer gemacht.“
„Haben wir auch. Aber das Zeug war so gut, dass ich am nächsten Tag losgezogen bin und mir selbst zwei Kisten gekauft habe.“
„Ich dachte, Snake Venom ist sauteuer.“
Bhathian zuckte mit den massigen Schultern und setzte sich Andrew gegenüber auf einen Stuhl. „Ich habe genug Geld und nichts, wofür ich es ausgeben kann.“
„Du warst nicht bei ihr, nehme ich.“ Er musste keine Namen nennen, um klarzumachen, von wem er sprach.
Bhathian wand sich. „Ich habe es bis kurz vor ihr Café geschafft, mich aber nicht reingetraut.“
„Es tut mir leid, dass ich dich sitzen lassen musste.“
„War ja nicht deine Schuld.“
„Willst du morgen hin?“
„Wenn du mitkommst, ja.“
„Hast du sie denn zumindest gesehen?“
Bhathian nickte. „Sie sieht aus wie ihre Mutter.“
„Wirklich?“
„Wunderschön.“ Es lag eindeutig ein Anflug von Stolz in Bhathians Stimme.
„Hat sie auch etwas von dir?“
„Zu ihrem Glück nicht viel.“ Bhathian verzog das Gesicht. „Nur meine Augenbrauen. Aber ihre sehen gut aus, nicht so buschig wie meine.“
Andrew versuchte sich eine Frau von Evas exotischer Schönheit und mit Bhathians finsterer Miene vorzustellen, scheiterte jedoch.
Bhathian trank einen Schluck. „Ich muss rausfinden, was aus Eva geworden ist. Irgendeine Idee?“
Gute Frage. Die Tatsache, dass die Polizei sie nicht aufgespürt hatte, hatte nicht viel zu bedeuten. Deren Untersuchung war selbst im besten Fall höchstens oberflächlich ausgefallen.
„Wir können versuchen, der Spur des Geldes zu folgen. Der Staat überweist ihr immer noch jeden Monat ihre Pension und wenn sie noch lebt, kommt es sicher auch bei ihr an.“
„Und du kannst rausfinden, wo sie es abhebt?“
„Das wird nicht einfach, aber ja. Es sei denn, sie schleust das Geld über ein Konto in der Schweiz. Dann ist es praktisch unmöglich.“
Bhathian schüttelte den Kopf. „Nur damit du Bescheid weißt, ich stehe für immer in deiner Schuld. Wann immer du was brauchst, egal was, sag es mir einfach.“
„Das ist nett von dir, aber spar dir deine Dankbarkeit auf, bis ich wirklich etwas gefunden habe.“
„Du hast meine Tochter gefunden und allein dafür bin ich dir was schuldig. Und ich blase dir nicht nur Zucker in den Arsch, das ist mein Ernst. Egal was, egal wann.“
„Okay, hab schon verstanden, aber das ist echt nicht nötig. Du hättest für mich dasselbe getan.“ Es schien richtig, so etwas zu sagen, auch wenn Andrew sich nicht sicher war, ob es stimmte. Schließlich war er immer noch ein Außenseiter und wurde vom Clan lediglich toleriert, weil seine Schwester mit dem Regenten verheiratet war.
Aber Bhathian nickte zustimmend und hielt ihm die Flasche hin. „Dafür hat man schließlich Familie.“
Okay, anscheinend lag er mit seiner Einschätzung daneben. Wie es aussah, hatte Bhathian Andrew wirklich als Teil des Clans akzeptiert. „Auf die Familie.“ Sie stießen miteinander an.
„Auf die Familie“, wiederholte Bhathian.
Andrew leerte seine Flasche und stellte sie auf den Couchtisch, bevor er aufstand.
Verdammt, das Snake Venom musste ihm zu Kopf gestiegen sein, denn ihm wurde kurz schwindelig. Aber das Gefühl verschwand genauso schnell, wie es gekommen war. Vermutlich holte die Erschöpfung ihn allmählich ein. „Morgen nach der Arbeit hole ich dich ab und wir fahren nach Glendale. Ist sieben in Ordnung?“
Bhathian erhob sich und brachte ihn zur Tür. „Was immer für dich passt.“ Er schloss Andrew fest in die Arme und erdrückte ihn fast, bevor er ihm auf den Rücken klopfte.
„Vorsicht, Kumpel. Ich bin nur ein zerbrechlicher Mensch.“
Ein seltenes Lächeln zeigte sich auf Bhathians düsteren Zügen, als er Andrew losließ. „Du magst zwar ein Mensch sein, aber so weit ich gehört habe, ist an dir gar nichts zerbrechlich, du harter Hund.“
Wenn das mal nicht schön zu hören war.
Auf der Fahrt nach Hause durch die verlassenen Straßen von L.A. dachte Andrew über das Gespräch mit Bhathian nach.
Familie.
Was immer kommen mochte, der Clan war jetzt seine Familie – unabhängig von seiner Entscheidung bezüglich der Verwandlung. Sie hatten ihn akzeptiert – als ersten Menschen, der je Teil ihrer verschworenen, geheimen Gemeinschaft geworden war.
Er fragte sich, ob das auch der Fall wäre, wenn er weniger anzubieten gehabt hätte. Wenn er nur ein normaler Typ von der Straße mit einem normalen Job gewesen wäre. Hätten sie ihm dann auch ihre Geheimnisse anvertraut?
Vermutlich nicht.
Es war eine Tatsache, dass der Clan ihn brauchte. Nicht, dass das unbedingt etwas Schlechtes war. Gebraucht zu werden war genauso wichtig wie akzeptiert zu werden, wenn nicht sogar noch wichtiger. Besonders für einen so stolzen Teufelskerl wie ihn.
Was ihn zu Dalhu brachte.
Dem Mann war das Unmögliche gelungen. Doch er hatte sich die Akzeptanz des Clans zu einem unvorstellbar hohen Preis erkaufen müssen. Andrew fiel kein einziger Mann ein, der die Folter ertragen hätte, die Dalhu durchstehen musste – erst recht nicht mit so viel Würde und unvergleichlicher Willenskraft wie er.
Eines stand fest: Sollte Andrew je jemanden brauchen, der an seiner Seite kämpfte, wäre Dalhu seine erste Wahl. Nicht, dass auch nur ansatzweise die Chance bestand, dass man Dalhu in nächster Zeit erlaubte, in den Kampf zu ziehen.
Im Grunde genommen stand Dalhu immer noch unter Hausarrest – während er sich bewährte, wie Kian es ausgedrückt hatte. Sicher, er war nicht länger auf das Gefängnis beschränkt und lebte in Amandas geräumigem Penthouse, aber er durfte das Gebäude nicht verlassen.
Der arme Kerl muss ja fast durchdrehen.
Für einen Krieger musste es die Hölle sein, in einer Wohnung festzusitzen und keinen Dampf ablassen zu können. Da half es auch nur bedingt, dass er mit der Liebe seines Lebens im Luxus schwelgte.
Vielleicht sollte Andrew demnächst ein bisschen Zeit mit ihm verbringen und ihn zu einem Übungskampf unten im Fitnessstudio einladen.
Na klar.
Wem wollte er etwas vormachen? Als hätte er diesem mächtigen Unsterblichen irgendetwas entgegenzusetzen. Andrew vermutete, dass selbst von den Wächtern nur Anandur und vielleicht Yamanu eine Chance gegen den einstigen Doomer hatten.
Amanda hatte sich ein Tier von einem Beschützer eingefangen.
Verdammt, es versetzte ihm immer noch einen Stich.
Gegen einen anderen Mann zurückstecken zu müssen, hatte Andrews Selbstwertgefühl nicht gutgetan. Aber ungeachtet seines ersten Eindrucks musste er zugeben, dass Dalhu die bessere Wahl für Amanda war.
So viel Ärger, wie diese Frau anzog, war Dalhu vermutlich der einzige Mann auf dem Planeten, der ihre Sicherheit gewährleisten konnte.
Syssi
„Komm her.“ Kian drehte sich mit seinem Stuhl um und öffnete einladend die Beine.
So lief es schon seit dem ersten Tag, an dem sie sich zu ihm ins Büro gesellt hatte. Sobald Shai den Raum verließ, drehte Kian sich zu ihr um und lud sie ein, ihn zu küssen, was oft in einem Schäferstündchen endete.
Wie sich herausstellte, was sie hier mehr ein Hindernis als eine Hilfe.
Abgesehen davon, ihren Ehemann glücklich zu machen, hatte sie bisher kaum mehr geschafft, als einen kleinen Teil der Akten neu zu ordnen. Nach und nach hatte sie alte Ordner durch neue ersetzt und zudem eine digitale Kopie angelegt, inklusive umfangreicher Tabellen und dem Einscannen der zugehörigen Dokumente.
Uralt wie Kian und Shai waren, erledigten sie immer noch alles auf altmodische Weise – also ungefähr wie zur Zeit der industriellen Revolution – und entsprechend unbezahlbar hätte Syssis Einsatz sein können. Dummerweise waren Kian und sie zu beschäftigt, miteinander herumzumachen, um viel auf die Reihe zu bekommen.
„Ich warte …“, knurrte er.
Syssi verdrehte die Augen und tippte ein paar letzte Zahlen in die Tabelle, bevor sie seinem Befehl nachkam. „Ja, Sir.“ Sie stand auf und trat zwischen seine gespreizten Beine.
„Genau das wollte ich hören.“ Er schloss sie in die Arme, zog sie an sich und küsste sie gierig, als wären seit dem letzten Mal nicht erst fünf Minuten vergangen.
„Weißt du, eigentlich soll ich dir helfen. Aber ich glaube, im Augenblick scheinst du überhaupt nicht voranzukommen.“ Sie setzte sich auf einen seiner muskulösen Oberschenkel.
Prompt schob Kian die Hand unter ihr Oberteil und spielte durch den BH mit einer ihrer Brustwarzen. „Dafür gehe ich inzwischen richtig gern zur Arbeit. Das war früher anders.“
Das war nicht von der Hand zu weisen. Aber wie sollte er einen klaren Gedanken fassen, wenn die Erregung seinen gesunden Menschenverstand vernebelte?
„Ich will aber nicht dafür verantwortlich sein, dass du dein ganzes Unternehmen Untergang zugrunde richtest. Oh Gott …“, hauchte sie, als er ihren BH öffnete und an der anderen Brustwarze zupfte.
„Unsinn, du leistet unschätzbare Dienste.“ Er schob ihr Oberteil hoch und leckte über eine der steifen Spitzen, bevor er die Lippen darum schloss und daran saugte.
„Verflucht …“, entfuhr es ihr.
Oh nein, es gab eine Regel, was die Verwendung derber Sprache anging. Da Fluchen normalerweise nicht ihrer Natur entsprach, sah Kian darin inzwischen eine Aufforderung zu gewissen Spielen, denen sich Syssi lieber in der Abgeschiedenheit ihres Schlafzimmers widmete. Nicht im Büro, wo jederzeit jemand hereinkommen konnte. Zwar war sie schon halb nackt, aber aus irgendeinem Grund war ihr das nicht so peinlich wie das, was als Nächstes kommen würde.
Als Kian den Kopf hob, lag ein teuflisches Lächeln auf seinen Zügen. „Mein süßes, verdorbenes Mädchen hat sich gerade freiwillig gemeldet, sich den Hintern versohlen zu lassen.“
„Nicht hier“, flüsterte sie und spürte, wie sie rot anlief. Aber das war nicht die einzige Form von Hitze, die sich in ihrem Körper ausbreitete.
„Oh doch, hier.“ Den Bruchteil einer Sekunde später fand sie sich kopfüber auf seinem anderen Oberschenkel wieder, mit heruntergelassener Jeans und entblößtem Po.
„Es könnte jemand reinkommen“, zischte sie und versuchte erfolglos, auf die Beine zu kommen. Trotz ihrer neuen Kräfte war der Arm, der sie festhielt, so unnachgiebig wie ein Stahlträger.
„Keine Sorge. Es kommt niemand. Ich würde jeden noch draußen im Flur hören.“ Mit einem lauten Knall landete der erste Schlag auf ihrem nackten Hintern.
Als ob er bei dem Lärm etwas hören kann …
Aber als in rascher Folge der zweite und dritte Schlag folgten, konnte Syssi nicht mehr denken. Sie gab jeden Widerstand auf und verlor sich in ihren Empfindungen. Als Kian zum zehnten und letzten Schlag ansetzte, stand sie so kurz vor dem Höhepunkt, dass sie versucht war, ihn mit einer ganzen Reihe Flüche einzudecken.
Aber das war gar nicht nötig. Dreißig Sekunden später stieß Kian mit zwei Fingern tief in ihre feuchte Scheide und rieb zusätzlich mit dem Daumen ihre empfindlichste Stelle, sodass sie augenblicklich kam und seine Hand durchnässte. Und seine Jeans.
Anschließend zog er sie an sich und hielt sie in ihrer Erschöpfung auf dem Schoß.
„Ich liebe dich so sehr.“ Er küsste sie auf den Mund.
„Ich werde meinen Chef wegen sexueller Belästigung verklagen“, krächzte sie.
„Ach ja? Und wer ist dieser schreckliche Chef? Du kannst dich nicht selbst verklagen, weißt du.“
„Ach, jetzt bin ich auf einmal der Chef?“
„Natürlich bist du das.“
„Hat sich gerade gar nicht so angefühlt, als du mir den Hintern versohlt hast.“
„Ich bin nur wie versprochen meinen ehelichen Pflichten nachgekommen.“
Sie richtete sich auf, um ihn zu küssen. „Ich liebe dich auch. Aber im Ernst, jetzt muss ich nach oben fahren und die Unterhose wechseln. Schon wieder. Und du dürftest dich auch ziemlich unwohl fühlen.“ Sie rutschte mit dem Po auf seinem Glied herum.
„Kein Problem. Ich begleite dich einfach und wir machen da weiter, wo wir gerade aufgehört haben.“
„Das wäre heute schon das zweite Mal. So kann es nicht weitergehen, Kian. Wir führen uns auf wie geile Teenager, die nicht die Finger voneinander lassen können.“
„Und was ist so falsch daran? Ich finde das großartig.“
„Das Problem ist, dass du jede Menge zu erledigen hast, du großer Trottel. Und so gerne ich es auch mit dir treibe, verschwende ich hier meine Zeit. Jeder, der auch nur ansatzweise mit einem Computer zurechtkommt, kann erledigen, was ich hier mache.“
„Wag es bloß nicht, mich im Regen stehen zu lassen. Zum ersten Mal, solange ich zurückdenken kann, freue ich mich auf meine Arbeit.“
„Welche Arbeit? Du schaffst doch überhaupt nichts. Gib es zu, selbst wenn Shai hier ist, denkst du an nichts anderes als an das nächste Mal, wenn er weggeht, damit du mich wieder in die Finger bekommst.“
Kian strich sich das kinnlange Haar zurück. „Ich kann nicht anders. Dich die ganze Zeit in der Nähe zu haben ist eine Versuchung, der ich nicht widerstehen kann. Ich bin ein einfacher Mann mit einfachen Bedürfnissen. Genau genommen mit einem einzigen Bedürfnis und das bist du.“
Er war so süß. „Ich liebe dich und es geht mir genauso. Aber wir sind beide erwachsen und haben Verpflichtungen. Es wäre viel sinnvoller, wenn ich Amanda helfe, weitere Schlummernde zu finden. Und du würdest dann endlich etwas auf die Reihe bekommen, wenn du im Büro bist.“
„Das will ich aber nicht.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte wie ein Kleinkind.
Sie streichelte seine Wange. „Ich weiß, mein Schatz. Wie wäre es damit: Ich besorge dir einen anderen Assistenten. Jemanden, der jung genug ist, um deine uralten Aktenberge zu digitalisieren und dir zu helfen, schneller mit der Arbeit fertig zu werden. Und ich gehe wieder mit Amanda ins Labor, aber nur bis um vier. Dann bleibt uns immer noch genug gemeinsame Zeit.“
„Was ist mit all den anderen Dingen, um den ich mich kümmern muss? Abgesehen von der Büroarbeit? Wie mich ab und zu bei irgendwelchen Meetings und Kursen zu zeigen und in meiner offiziellen Funktion Leuten Besuchen abzustatten?“
„Dabei begleite ich dich.“
„Okay, du hast gewonnen. Aber die Lösung gefällt mir trotzdem nicht.“
„Ich weiß, mir auch nicht. Aber es ist besser so. Abgesehen davon ist ja nichts in Stein gemeißelt. Wenn das nicht funktioniert, denken wir uns einen neuen Plan aus. Aber jetzt lass mich los, damit ich mir die Hose hochziehen kann. Ich sitze hier schon viel zu lange mit nacktem Po herum.“ Kian half ihr auf und zog ihr die Jeans hoch. „Bäh, ich hasse nasse Unterhosen.“
Kian lächelte selbstgefällig. „Lass uns gehen. In unserem Privatfahrstuhl kannst du sie wieder ausziehen. Wir haben noch etwas zu erledigen.“
Dark Warrior – Meine Sehnsucht